Ergotherapeutisches Elterntraining ETET

21. August 2016

Zielsetzung

Ziel des ETET ist es, innerhalb eines multimodalen Bahandlungskonzeptes die Eltern intensiv in die ergotherapeutischen Interventionen einzubeziehen, um einen nachhaltigen Therapieerfolg zu ermöglichen. Dabei sollen den Eltern v.a. ergotherapeutische Grundprinzipien kombiniert mit Inhalten neuopsychologischer Konzepte und bewährter verhaltentherapeutischer Prinzipien nahegebracht werden. Die Eltern erhalten durch das ETET Rüstzeug, ihr Kind während und auch nach der Ergotherapie entwicklungsfördernd zu begleiten. Bewährte Erziehungsprinzipien können als erste Orientierungshilfe dienen, um Verhaltensänderung sowohl beim Kind als auch bei den Eltern anzubahnen. Der Therapeut versucht im Laufe des Trainings die Ressourcen aller beteiligter zu aktivieren, um so die Eltern-Kind-Interaktion langfristig zu verbessern. Das enge, an den Bedürfnissen des Kindes und des Umfelds orientierte Einbeziehen der Eltern fördert deren Compliance und Zufriedenheit.

Aufbau

Das ETET besteht aus drei Pfeilern:
1. Wochenprotokolle: Schriftilche Kurzbeschreibung der positiven und negativen Ereignisse der Woche durch die Eltern.
2. Elterninformationen:Informationen über die theoretischen Hintergründe, Tipps, konkrete Anregungen, Wegweisern und einer „Schatzkiste“
3. Reflexionsbögen: Selbsteinschätzung der Eltern, wie gut sie die Inhalte im Alltag umsetzen können.

Am Anfang jeder Therapieeinheit (ca. 5min) wird mit dem Kind das Wochenprotokoll besprochen. Über Fortschritte, Lob und schöne Ereignisse wird sich im Rahmen der Ressourcenaktivierung gemeinsam gefreut und so erwünschtes Verhalten verstärkt und gute Ansätze gemeinsam weiterentwickelt. Problematisches Verhalten wird gemeinsam mit dem Kind reflektiert und lösungsorientiert Verhaltensänderung angebahnt. Dieses Vorgehen ermöglicht eine an die individuellen Gegebenheiten angepasste, klientenorientierte Therapiegestaltung.

In den letzten 10 Minuten der Therapieeinheit findet das Training mit den Eltern statt. Das Kind wartet im Wartezimmer und zieht selbständig Schuhe und Jacke an. Mithilfe des Reflexionsbogens wird besprochen, wie die Inhalte der letzten Woche in den Alltag integriert werden konnten: Was gelang gut? Was war den Eltern besonders wichtig? Wobei kamen Schwierigkeiten oder Fragen auf? Bei schwerwiegenden Problemen kann ein zusätzliches Gespräch vereinbart werden. Konnten die Inhalte erfolgreich umgesetzt werden und sind die Eltern in der Umsetzung sicher und zufrieden, so kann ein neues Informationsblatt mit dem dazugehörigen Reflexionsbogen besprochen und mitgegeben werden. Besonders sinnvoll ist es, die Inhalte der Therapie mit denen der Eltern abzustimmen.

Inhalt

Die Verbesserung der Handlungskompetenz im Alltag des Kindes soll durch folgende Therapieschwerpunkte angestrebt werden:
– Aktivierung der Ressourcen des Kindes
– Anbahnung von erwünschtem Verhalten
– Verbesserung der Körperkoordination und Selbstregulation
– Selbstregulation des Erregungsniveaus durch Anwendung sensomotorisch-perzeptiver Strategien zur Verbesserung der zentralnervösen Wachheit mittels Aufrichtung, Zentrierung, angemessenem Tempo und Zielgenauigkeit (AZAZ)
– Verbesserung der selektiven Aufmerksamkeitskeistungen
Verbesserung der handlungsplanung sowie der handlungssteuerung und der dafür notwendigen neuropsychologischen Komponenten.

Dafür stellt das ETET 8 Themenkomplexe bereit, mit insgesamt 46 Kopiervorlagen.

Weitere Informationen auch in „Ergotherapie und Rehabilitation“ 5/2007 ab Seite 11:
Das Ergotherapeutische Elterntraining ETET
(B. Winter, B. Menke, D. Ottinger)

 

Entstehung

Die Idee, ein Elterntraining zu entwickeln entstand im Jahr 2004 gemeinsam mit Britta Winter. Schon immer wurden in ihrer Praxis für Ergotherapie in Wunstorf die Eltern kontinuierlich in die Therapie einbezogen und beraten. Eine Vielzahl Materialien aus bestehenden Programmen war bereits vorhanden und die Lücken, die diese hinterließen, weil sie nicht auf die Inhalte der Ergotherapie abgestimmt sind, wurden von Britta und mir durch eigene Informations- und Hausaufgabenmaterialien ergänzt. Aus dieser Sammlung sollte ein Leitfaden enstehen, der die Eltern durch einheitliche, überschaubare und verständliche Weise durch die Therapie ihres Kindes begeleitet. Ziel war es, so einerseits die Eltern beim Therapieerfolg ihres Kindes zu unterstützen, andererseits für die behandelnen Ergotherapeuten ein Instrument zu schaffen, das es ermöglicht nachzuvollziehen, welche Aspekte der Elternarbeit zu Hause erfolgreich umgesetzt werden und aufzuzeigen, wo noch Problemfelder im Alltag des Kindes liegen.

Unter dem Arbeitstitel KETEB (Konzept ergotherapeutischer Elternberatung) erfolgte die ersten Ausarbeitungen. Das Konzept wurde durch intensiven Praxiseinsatz kontiunierlich weiterentwickelt und ausgebaut. Im Herbst 2005 wurde die vorläufige Endversion, die zu diesem Zeitpunkt bereits als ETET bezeichnet wurde, einer formativen Evaluation unterzogen (D. Ottinger, ergoscience, 2006). Im Jahr 2006 wurde das ETET aufgrund der überwiegend positiven Evaluationsergebnisse in das Ergotherapeutische Trainingsprogramm bei ADHS (ETP-ADHS) eingebunden und 2007 im Thieme-Verlag veröffentlicht (in: Ergotherapie bei Kindern mit ADHS, Winter&Arasin). Seit der Veröffentlichung bieten Britta und ich Seminare und Vorträge zum ETET an.